Entzündungen, Alzheimer und ein lang erprobter Wirkstoff

2 Kommentare zu Entzündungen, Alzheimer und ein lang erprobter Wirkstoff

Was wir von unseren Mitbewerbern lernen können

Eine aktuelle Studie untersucht den Zusammenhang zwischen chronischen Entzündungen und Alzheimererkrankungen.
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In unserem letzten Blogeintrag antwortete unser CEO Dr. Wolfgang Brysch auf die Frage: »Hat MetrioPharm Konkurrenz?« Den ganzen Artikel finden Sie hier. Im aktuellen Beitrag schauen wir uns ein bereits zugelassenes Medikament genauer an.

Wenn ein Patient an einer Autoimmunerkrankung leidet, z.B. an Schuppenflechte, wird sein Arzt wahrscheinlich den Wirkstoff Methotrexat verschreiben. Ursprünglich als Krebsmedikament entwickelt, setzt man es in niedrigeren Dosierungen auch zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen ein.

Das Medikament reguliert das Immunsystem herunter und mildert so die Symptome der Krankheit. Allerdings ist der Aufwand für diese Behandlung gross: für maximale Wirksamkeit wird der Wirkstoff einmal wöchentlich intravenös gespritzt.

Da Methotrexat lebertoxisch wirkt, müssen zudem fortlaufend die Blutwerte der Patienten kontrolliert werden. Auch das Risiko von Infektionen steigt signifikant. Typisch sind ausserdem Nebenwirkungen wie Übelkeit, schwere Verdauungsstörungen und anhaltende Müdigkeit. Zahlreiche Patienten müssen die Therapie wegen dieser Nebenwirkungen abbrechen.

Je nach Schwere der Erkrankung wird eine Therapie aber sogar bei schlechter Verträglichkeit fortgesetzt. Für Patienten mit Rheumatoider Arthritis etwa können auch starke Nebenwirkungen erträglicher sein, als der Leidensdruck der Krankheit. So hat Methotrexat – trotz aller Probleme – schon über Jahre gezeigt, dass chronisch entzündliche Krankheiten unter bestimmten Voraussetzungen behandelbar sind. Ein Wirkstoff der, wie MP1032, über ein besonders gutes Sicherheitsprofil verfügt, könnte die Lebensqualität von Patienten also massiv verbessern.

Aber aus dem Fallbeispiel Methotrexat lässt sich noch mehr lernen.

Mediziner vermuten schon seit einiger Zeit, dass es einen Zusammenhang zwischen Entzündungen und Alzheimer geben könnte. Allerdings ist diese These schwer zu überprüfen. Bisher verfügbare Medikamente wie Methotrexat können wegen des schlechten Sicherheitsprofils nicht prophylaktisch verschrieben werden. So wird es schwer mithilfe einer grossen Vergleichsstudie zu klären, ob frühzeitig eingenommenes Methotrexat vor Alzheimer schützen kann.

Aber vielleicht kann man von Patienten lernen, die das Medikament ohnehin nehmen müssen – etwa, weil sie an einer Autoimmunerkrankung leiden?

Wissenschaftler der Universität Oxford und des NIHR Southhampton Biomedical Research Center sind dieser Frage systematisch nachgegangen. Sie untersuchten die Fallverläufe von 5‘800 Patienten mit rheumatoider Arthritis. Das Ergebnis dieser aktuellen Studie: 1‘924 Patienten hatten keine Therapie erhalten, 3‘876 waren mit Methotrexat behandelt worden. In der behandelten Gruppe war die Zahl der Alzheimererkrankungen um 50 % reduziert.

Die regelmässige Einnahme eines Entzündungsmedikaments kann das Alzheimerrisiko also senken, offenbar sogar halbieren. So liefert Methotrexat einen ersten Hinweis auf die Möglichkeiten, die sich durch eine frühzeitige Intervention bieten: Mit einem gut verträglichen Medikament könnten sich bemerkenswerte Chancen für Patienten auftun – weit über die Behandlung einer einzelnen Indikationen hinaus.

2 responses to “Entzündungen, Alzheimer und ein lang erprobter Wirkstoff

  1. Hirschochs

    Der endgültige Beweis wäre in der Sektion oder auch klinisch zu führen.
    Ist nicht die arterielle Gefässinnenhaut (Carotis, Coronarien) für uns spannender?
    Auch hier denken wir über Entzündung nach und könnten zeitnach zB sonographische Nachweise führen.

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    1. Eva Brysch, Investor Relations Managerin, MetrioPharm Post author

      Lieber Herr Hirschochs,
      bei der Alzheimer’schen Krankheit wird der Nachweis eines Therapieerfolgs in der Regel durch klinische Verlaufskontrollen an einer ausreichenden Zahl von Patienten über z.B. 5 Jahre geführt. In der zitierten Studie aus Großbritannien hat man Rheuma-Patienten während einer Standardtherapie mit einem anti-rheumatischen Medikament, parallel auf die Häufigkeit des Auftretens von neuen Alzheimer-Fällen untersucht. In ähnlicher Weise könnte man bei MP1032 auch Patienten, die wegen einer anderen chronisch-entzündlichen Behandlung mit dem Medikament behandelt werden, auf die Häufigkeit des Auftretens von Alzheimer untersuchen und so erste Erkenntnisse gewinnen.
      Natürlich sind Entzündungsprozesse an/in den Gefäßwänden auch ein großes und spannendes Thema, da mittlerweile als erwiesen gilt, dass artheriosklerotische Plaques auch bei hohen Blutfettwerten nur in Zusammenhang mit Entzündungsprozessen in der Gefäßwand entstehen können. Trotz guter nicht-invasiver Diagnosemöglichketen durch Ultraschall und Sonographie sind aussagefähige klinische Studien jedoch – ähnlich wie bei Alzheimer – auf längere klinische Verlaufsuntersuchungen angewiesen, da Gefäßveränderungen und klinische Folgen (Herzinfarkt, Schlaganfall) nicht 1:1 korrelieren.
      MetrioPharm beobachtet alle diese Indikationen ständig, um zu gegebener Zeit die erfolgversprechensten und zügig realisierbaren Einsatzgebiete für MP1032 klinisch in Angriff zu nehmen.
      Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.
      Mit besten Grüssen
      Eva Brysch

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