Schwerpunkt InflammAging

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Der Zusammenhang zwischen chronischen Entzündungen und Alterserkrankungen

Gibt es ein Problem mit der steigenden Lebenserwartung? Schaut man allein auf die Kurve der durchschnittlichen Lebensjahre, sieht die Entwicklung der letzten fünfzig Jahre sehr positiv aus. Diese Kurve zeigt, besonders in den westlichen Ländern, stetig nach oben. Die Menschen werden kontinuierlich älter.

Es gibt allerdings eine zweite Kurve, die deutlich langsamer angestiegen ist: die der gesunden Lebenserwartung. Die Menschen werden also älter, aber in den letzten Jahren oder Jahrzehnten ihres Lebens sind sie immer anfälliger für chronische Krankheiten.

In der medizinischen Forschung wurde eine ganze Reihe von Theorien entwickelt, um diese Diskrepanz zu erklären. Zellalterung, chronische Entzündungen, Fett- bzw. Glukosestoffwechsel oder Telomerverkürzung (die natürliche Degeneration der Erbgutqualität). Alle diese Faktoren könnten für die zunehmende Krankheitsanfälligkeit im Alter verantwortlich sein. Oder eine Kombination dieser Faktoren.

Dabei ist die schwindende Gesundheit kein Naturgesetz. Es gibt eine Gruppe von Menschen, deren Gesundheit überdurchschnittlich gut erhalten bleibt, sowohl physisch als auch mental. Menschen also, bei denen die beiden Kurven Lebenserwartung und gesunde Lebenserwartung nicht auseinandergehen.

Es sind Menschen, die ein überdurchschnittlich hohes Lebensalter erreichen. In diesen Centenerians und Supercentenerians (Hundert- und Überhundertzehnjährige) sieht die Wissenschaft eine ideale Modellpopulation. An ihr lässt sich untersuchen, welche Faktoren ein sowohl langes als auch gesundes Leben ermöglichen.

In einer grossen internationalen Studie wurden alle diese Beobachtungen und Hypothesen gebündelt, um eine Gruppe japanischer Probanden im Alter zwischen 50 und 115 Jahren umfassend zu untersuchen. Fast 700 der insgesamt 1554 Studienteilnehmer waren 100 Jahre alt und älter. Die Frage lautete: Gibt es allgemeine, messbare Faktoren, die ein gesundes Altern begünstigen.

Die Forscher selbst waren von der Eindeutigkeit ihrer Befunde überrascht. Erwartet hatten sie insbesondere einen engen Zusammenhang zwischen Telomerverkürzung und Gesundheitswerten – an diesem neu entdeckten genetischen Phänomen war in den letzten Jahren intensiv geforscht worden. Aber es war ein anderer, ein einziger Messwert, der sowohl mit physischer als auch mit kognitiver Leistungsfähigkeit im Alter korrelierte: niedrige Entzündungsmarker.

Zwar hatte es schon seit Jahren einen wissenschaftlichen Konsens gegeben, dass Alterskrankheiten von chronischen Entzündungen verursacht werden können, etwa Osteoporose, Arthritis oder Alzheimer. Im Jahr 2000 hatte der italienische Immunologe Claudio Franceschi hierfür den Begriff InflammAging geprägt. Und zahlreiche Tiermodelle und Humanstudien hatten diese Hypothese in der Zwischenzeit bestätigt.

Trotzdem war das wissenschaftliche Team der Studie erstaunt, dass der Zusammenhang zwischen Gesundheit im Alter und niedrigen Entzündungswerten so eindeutig ausgefallen war – während sich für andere Theorien keine stichhaltigen Belege finden liessen. Der Titel der Studie fasst die Klarheit ihres Befundes zusammen: “Entzündungen, nicht Telomerlänge, als Indikator für erfolgreiches Altern.“

Arai et al.: Inflammation, But Not Telomere Length, Predicts Successful Ageing at Extreme Old Age: A Longitudinal Study of Semi-supercentenarians. EBioMedicine 2 (2015).

Diese Einsicht hat praktische Konsequenzen für die Erforschung und Entwicklung neuer Therapiekonzepte. Eine sichere und technisch ausgereifte Entzündungstherapie – so sagen es die Autoren der Studie in ihrer Abschlussdiskussion – wäre ein essenzieller Schritt, um die zwei Kurven langfristig zusammenzuführen. Das Ergebnis wäre eine hohe Lebenserwartung und gute Gesundheit für Menschen in allen alternden Gesellschaften.

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